14.06.2026

Karate-Trainerin Pia Völker von SG Coesfeld 06 erhält Sportjugendpreis

Karate begleitet Pia Völker seit ihrer Kindheit. Im Interview spricht die frisch ausgezeichnete Ehrenamtliche über ihre Leidenschaft, verbreitete Klischees – und welche Wirkung die Kampfsportart entfalten kann.

Pia Völker wurde mit der Auszeichnung für ihr besonderes Engagement überrascht. 

In der Karate-Abteilung der SG Coesfeld 06 hat sie nahezu ihr ganzes Leben verbracht. Erst als Mitglied, später auch in verantwortlicher Funktion. Für ihren langjährigen Einsatz bekam Pia Völker jüngst den Sportjugendpreis des Kreissportbundes und der Sparkasse überreicht. Im Gespräch mit der Redaktion dieser Zeitung erzählt die 26-Jährige von ihren sportlichen Anfängen, die Vorteile von Karate für Körper und Geist und was sie von Filmen wie „Karate Kid“ hält.

Frau Völker, Sie wirkten bei der Preisübergabe überrascht. Hatten Sie überhaupt keine Vorahnung?

Pia Völker: Mit dem Preis habe ich gar nicht gerechnet, 0,0. Aber ich hatte eine leichte Vorahnung. Meine Mama hat mich Anfang Februar schon gefragt, was ich den ein paar Monate später auf einen Donnerstagabend tun würde. Komischerweise hatte ich da noch nichts vor (grinst). Ich hatte erst an ein Geburtstagsgeschenk gedacht, über die Zeit habe ich es dann fast vergessen. Kurz vor der Versammlung wusste ich also nichts Konkretes.

Umso größer die Überraschung. Haben Sie sich denn schon einen Platz für die Ehrung ausgesucht?

Völker: Noch nicht. Aktuell steht sie auf dem Esszimmertisch und hat sich da in die Tagesdeko ganz gut eingepflegt. Mal schauen, wohin der Preis noch wandert, ich muss mir noch einen passenden Platz suchen.

Die Ehrung steht für Ihre ehrenamtliche Arbeit im Verein. Was waren Ihre ersten Berührungspunkte mit der SG 06?

Völker: Als ganz junges Kind wurde ich angemeldet und war damals in Kinderturngruppen aktiv. 2006 bin ich dann mit Karate angefangen. Meine Mama ist Abteilungsleiterin – und das schon, seitdem ich denken kann. Sie ist auch aktive Trainerin und hat mir die Leidenschaft für Karate vorgelebt. Zu Hause war der Sport immer viel Thema, als Kleinkind habe ich Mama auf Turniere begleitet und bin da schon in der Halle rumgeflitzt. Mit sechs Jahren durfte ich dann einsteigen – und bin lange, lange geblieben (lacht).

Was macht Karate für Sie so faszinierend?

Völker: Allein die Tatsache, dass es eine Randsportart ist, macht Karate besonders. Meistens fangen Kinder mit Turnen, Fußball oder Leichtathletik an, nicht unbedingt mit Karate. Der Sport nützt rückblickend ganz viel: Karate ist ein extremer Ganzkörpersport und macht dich auf verschiedenen Ebenen fit. Neben Ausdauer braucht es Kraft und Beweglichkeit – das hilft auch fürs hohe Alter. Wir haben auch Karate-Mitglieder, die über 70 Jahre alt sind. Außerdem macht Karate ganz viel mit dem Selbstvertrauen.

Inwiefern?

Völker: Ich habe zum Beispiel keine Probleme damit, abends alleine unterwegs zu sein. Ich habe über den Sport automatisch ein Selbstvertrauen in mir, was man ein Stück weit auch nach außen ausstrahlt. Bei ihren ersten Übungen trauen sich ganz viele Anfänger erst gar nicht, richtig zuzuhauen. Die eigene Stärke wird beim Karate irgendwann verinnerlicht – der Sport ist also Ganzkörpertraining für Kopf und Geist. Aus der Trainingshalle kann man viel in den Alltag übernehmen.

Gibt es viele Vorurteile gegenüber Karate? Stichwort Karate Kid. Entstammt viel aus den Filmen und Serien der Realität oder ist das eher Fiktion?

Völker: Absolut! Viele Vorstellungen sind tatsächlich mit spektakulären Sprüngen und dem filmreifen Bretterzerschlagen verbunden. Da kann das erste Training manchmal recht ernüchternd sein. Beim Karate ist dann nämlich ein wenig Geduld gefordert, bis man die „spektakulären“ Dinge kann – da ist dann ganz klassisch der Weg das Ziel. Die Filme sind da letztlich natürlich spannender gestaltet, bei ihnen werden außerdem verschiedene Kampfsportarten gemischt. Karate Kid klingt vermutlich am Ende aber einfach besser als Jiu Jiutsu Kid.

War für Sie schnell klar, Ihre Erfahrungen mit anderen als Trainerin teilen zu wollen?

Völker: Als ich älter wurde, habe ich als Unterstützung meiner Mama mit circa zwölf Jahren erste Anfängerkurse begleitet und bin so in die Rolle als Trainerin reingewachsen. Mit 16 habe ich meinen Übungsleiter-Schein gemacht und habe seitdem offiziell eigene Kurse geführt. Zu dieser Zeit bin ich dann auch in den Vorstand reingerutscht und wurde dann später auch Sport- und Jugendwartin. Das hat gut gepasst, weil ich viele der Mitglieder selbst trainiert habe (lächelt). Da werden neben den Trainings auch Ausflüge und die Organisation drumherum koordiniert – zum Beispiel auch landesweite Turniere, die in Coesfeld stattfinden.

Was schätzen Sie an Ihrer ehrenamtlichen Arbeit besonders?

Völker: Die Entwicklung, egal ob Kinder oder Erwachsene. Zu sehen, wie sie wachsen, Fortschritte machen und auch charakterlich und mental stärker werden. Man begleitet Kinder, wenn sie mit sechs Jahren anfangen, und werden als Jugendliche selbst als Trainer aktiv. Es ist cool zu sehen, wie man aus der eigenen Arbeit Früchte ernten kann. Und natürlich macht es Spaß, bei einem Einzelsport wie Karate ein Teamgefühl zu entwickeln.

Und wie schaffen Sie es, Ihr Hobby und Ihre Arbeit unter einen Hut zu bringen?

Völker: Das ist nicht immer ganz einfach, da bin ich ehrlich. Zugfahrten konnte ich während meines dualen Studiums in Dortmund gut nutzen. Ansonsten muss man sich auch mal einen Abend Zeit nehmen. Mittlerweile arbeite ich beim LWL in Münster – im öffentlichen Dienst sind meine Arbeitszeiten zum Glück gut planbar. Beruf und Hobby kann ich gut aufeinander abstimmen.

Zum Abschluss: Haben Sie sich für 2026 noch etwas Besonderes auf die Fahne geschrieben?

Völker: Vielleicht sollte ich das mal tun (lacht). Ich würde mich einfach freuen, wenn die Abteilung weiter Zuwachs bekommt und vielleicht vom Randsport-Dasein abrückt.

Quelle: Allgemeine Zeitung Coesfeld, Leon Eggemann