11.05.2026

Tanzen: „Black Jewels“ der SG Coesfeld 06 sorgen seit 25 Jahren für glänzende Augen
Aus Gift entstehen Juwelen

Über den ersten Namen wundern sie sich noch heute selbst. „Rat Poison“ haben sie sich verpasst. Rattengift. „Wir waren jung“, zuckt Sarah Dittrich mit den Schultern. Wobei die Erkenntnis schnell reifte, unter diesem Label eher nicht auf öffentlichen Veranstaltungen auftreten zu wollen. Also wurde aus dem Gift das hochwertigste Edelmetall: Juwelen. Schwarze Juwelen. Eben ein Zeichen der Beständigkeit im wahrsten Sinne, denn die „Black Jewels“ bestehen mittlerweile seit stolzen 25 Jahren.

Ein ebenso unerwarteter wie beeindruckender Erfolg: Bei den Duisburger Tanztagen 2009 gewannen die „Black Jewels“ mit ihrer Choreographie zu „Demo – letzter Tag“ von Herbert Grönemeyer den Titel in der Sparte Jazz/Modern Dance. (Foto: Archiv/Brill).

Eine Tanzgruppe in der SG Coesfeld 06, die nachhaltig in Erinnerung bleibt. Weil sie gerne auch ungewöhnliche Wege geht. „Bei den Duisburger Tanztagen sind wir mal ohne Musik aufgetreten“, denkt Tine Horstick zurück, die seit 2008 ein „Jewel“ und damit aktuell nach der „Chefin“ das dienstälteste Mitglied ist. Allein die Atmung diente in dieser Choreographie als Taktgeber. „Das hatte es wohl noch nie gegeben“, lächelt Sarah Dittrich. „Jedenfalls sind wir damit sehr im Gedächtnis geblieben.“

Nicht nur damit. Ein Tanz, der besonders im Herzen mitschwingt, ist „Demo – letzter Tag“ von Herbert Grönemeyer. Einstudiert zur Hochzeit von Daniela Vogel, anschließend die Choreo, mit der die „Black Jewels“ 2009 bei den Duisburger Tanztagen angetreten sind. „Eine riesige Veranstaltung, bei der es ein echter Fight ist, überhaupt ins Finale zu kommen“, erklärt Sarah Dittrich. Nicht nur das haben die Coesfelderinnen geschafft, sondern in der Kategorie Jazz/Modern Dance sogar den Sieg geholt. Dazu Auftritte für Hochzeitsplaner Franck Mathee oder bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland, Bestandteil einer Reportage in Stern TV, Teilnahme an der Weltgymnastrada 2012 in Lausanne und 2023 in Amsterdam – Höhepunkte können sie reichlich aufzählen aus 25 Jahren.

Generationen von Juwelen: Beim Sportlerball der SG 06 kamen ehemalige und aktuelle Mitglieder der „Black Jewels“ zum 25-jährigen Jubiläum zusammen.

Zurück zu den Anfängen: Begonnen hat alles mit der Turngruppe von Sarah Dittrichs älterer Schwester Ellen. Die wollte bei einem Turnerjugend-Guppen-Wettkampf (TGW) teilnehmen, bei dem Disziplinen wie Turnen, Singen oder Medizinball-Weitwurf gefragt sind – und eben auch Tanzen. „Ellen hat mich gefragt, ob ich die Choreographie übernehmen möchte“, erzählt die heute 43-Jährige. Aus dem Tanztraining hat sich schließlich eine reine Tanzgruppe entwickelt. „Rat Poison“, kurze Zeit später eben „Black Jewels“. Die ersten Auftritte standen beim Betriebsfest der Firma Thies und dem Raspo-Siftungsfest an. „Als TGW-Gruppe sind wir Gaumeister geworden“, erinnert sich Sarah Dittrich. Daraus resultierten Auftritte bei Veranstaltungen, mit denen sich die Teilnahme an Wettbewerben finanzieren ließ. Schließlich gehört auch immer das passende Outfit dazu.

Die aktuelle Besetzung im Jahr 2026: (von links) Anna Grenigloh, Lisa Bobrovnik, Sandy Gernemann, Lisa Boer, Charlotte Telger, Mike Mitchell, Tine Horstick, Steffi Icking, Sarah Dittrich, Vanessa Chronz, Inka Wegs; es fehlen Nina Michels und Johanna Döker.

Auf diese Vielzahl der Termine kommen sie heute nicht mehr. „Wir sind ruhiger geworden“, lacht Sarah Dittrich. Was schlicht den Lebensumständen geschuldet ist. „Als wir begonnen haben, sind wir alle noch zur Schule gegangen.“ Auch im Studium war der Aufwand machbar – heute, oft mit Familie und Beruf, rückt das Tanzen zumindest ein Stück weit in den Hintergrund.

Jedenfalls bei den meisten „Juwelen“, während Sarah Dittrich als Diplom-Sportwissenschaftlerin an der Universität in Münster tätig ist und damit praktisch ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat. Wenn sie „Ich habe mir da mal was überlegt!“ verkündet, wissen ihre Mitstreiterinnen, dass sie sich wieder auf eine neue Choreo einstellen dürfen. „Meist für ein halbes Jahr arbeiten wir daran, dann packen wir etwas Neues an“, erklärt die Leiterin. Das kann aus einem oder mehreren Songs bestehen. Aktuell ist „Spring“ von „Provinz“ angesagt. „Ein Titel, in dem es um den Mut geht, etwas Neues zu wagen.“