03.04.2026
20 Jahre SG Coesfeld 06: Hapkido als Weg zu Körper und Geist
Ruhig und konzentriert stehen die Sportler in der Halle, beobachten jede Bewegung ihres Trainers. Dann ein schneller Griff, eine kreisförmige Drehung, und schon liegt der Angreifer kontrolliert auf der Matte. Was hier wie eine Choreografie wirkt, ist in Wahrheit ein ausgefeiltes System der Selbstverteidigung.

Mit blitzschneller Präzision trifft der Konter. Ein eingefrorener Moment voller Spannung, in dem Technik, Timing und Kontrolle perfekt verschmelzen.
Die koreanische Kampfkunst Hapkido hat eine lange Tradition. Begründer Choi Yong Sul verband einst das japanische Daito-Ryu Aiki-Jujutsu mit dynamischen koreanischen Tritttechniken und schuf so den „Weg zur Harmonie der Kräfte“. Weiche Kreisbewegungen treffen auf präzise Schläge – Effizienz und Kontrolle stehen im Mittelpunkt. Im Training der SG 06 liegt der Fokus klar auf der Selbstverteidigung. „Hapkido bedeutet, die Kraft des Gegners gegen ihn selbst zu nutzen und dabei ruhig und konzentriert zu bleiben“, erklärt Trainer und gleichzeitig Ansprechpartner für die Sportart Hapkido Michael Heck (1. Dan Hapkido). Grundlage dafür sind die drei Prinzipien Harmonie, Kreis und Fluss, die jede Technik prägen. Statt Kraft gegen Kraft zu setzen, lernen die Sportler, Angriffe aufzunehmen, umzulenken und kontrolliert zu beenden.
Ein zentrales Element ist dabei die Fallschule. Wer sicher fällt, kann sich auch in schwierigen Situationen verletzungsfrei bewegen und schnell wieder aufstehen. „Die Fallschule ist das Fundament, ohne sie funktioniert Hapkido nicht“, betont Heck. Schritt für Schritt wachsen die Teilnehmer so in die Techniken hinein und gewinnen Sicherheit und Selbstvertrauen.
Besonders vielseitig ist Hapkido durch die traditionelle Waffenkunst. Neben den Techniken mit bloßen Händen trainieren die Sportler auch mit Kurzstock, Langstock, Messer, Gehstock und Schwert. Selbst Alltagsgegenstände wie Gürtel können dabei zum Trainingsmittel werden. „Diese Vielfalt macht den Reiz aus. Hapkido bleibt immer spannend und fordert Körper und Geist gleichermaßen“, sagt Michael Heck weiter.
Ein besonderes Anliegen ist der Abteilung koranische Kampfkünste der SG 06 die Nachwuchsarbeit. Kinder können bereits ab acht Jahren beim Hapkido einsteigen und lernen neben den ersten Techniken vor allem Disziplin, Respekt und ein gutes Körpergefühl. Dabei steht nicht der Wettkampf, sondern die persönliche Entwicklung im Vordergrund. „Wir wollen den Kindern Werte vermitteln und ihnen zeigen, wie wichtig gegenseitiger Respekt und Selbstkontrolle sind“, so Heck abschließend.
Am Ende geht es im Hapkido jedoch um mehr als nur Technik. Es ist eine Schulung für Körper und Geist, ein Weg zu innerer Ruhe und Selbstvertrauen. Wer einmal beim Training zuschaut, spürt schnell die besondere Atmosphäre: konzentriert, respektvoll und gleichzeitig herzlich.
Die Hapkido-Abteilung der SG 06 ist Mitglied im Nordrhein-Westfälischen Hapkido-Verband und nimmt regelmäßig an Turnieren und Lehrgängen teil. Dort messen sich die Sportler in verschiedenen Disziplinen und sammeln neue Erfahrungen, während Trainer und Mitglieder ihr Wissen stetig erweitern. Wer Interesse an der Sportart oder einem Schnuppertraining hat, findet weitere Informationen unter www.sg-coesfeld.de/hapkido/.

Zur Serie:
In diesem Jahr feiert die Sportgemeinschaft Coesfeld ihr 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass beleuchtet die AZ in Zusammenarbeit mit unserem Verein in einer Serie verschiedene Aspekte aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, stellt unter anderem die unterschiedlichen Abteilungen vor und die Menschen, die dahinter stecken.


