Fußball: Aufsteiger SG Coesfeld 06 II hat sich gut in der Kreisliga A eingelebt
Nicht frühzeitig vom Gaspedal gehen

Vorzeitige Gratulationen zum Klassenerhalt lehnt er konsequent ab. „Was im Juni ist, darüber denke ich nicht nach“, bleibt Morten Herbstmann lieber im Hier und Jetzt. „Unsere Ausgangslage ist zumindest sehr gut.“ Das stimmt. Immerhin hat sich die SG Coesfeld 06 II ein großes Polster auf das Tabellenende angefressen. 14 Punkte Vorsprung auf Schlusslicht Vorwärts Lette, elf auf den Vorletzten Arminia Appelhülsen – der Aufsteiger kann mit seinen 20 Zählern auf dem Konto eine zufriedenstellende Zwischenbilanz ziehen. Aber: Frühzeitig vom Gaspedal gehen, das kommt für Herbstmann überhaupt nicht infrage. „Wenn wir uns jetzt schon in Sicherheit wiegen, könnte uns das noch gefährlich werden“, warnt der SG-Trainer.

Seine Warnung kommt nicht von ungefähr. „Wir haben einen wilden März vor der Brust“, verweist Herbstmann auf das brutale Auftaktprogramm. So geht es zunächst gegen die eigene erste Mannschaft, ehe Borussia Darup, GW Nottuln II und Tabellenführer SuS Legden warten – die aktuelle Top Vier der Kreisliga A2. „Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben, als sofort gegen das Nonplusultra zu spielen“, zuckt der SG’ler mit den Schultern. Sich darüber zu beklagen, davon hält er nichts. Vielmehr pocht er darauf, den namenhaften Spitzenteams womöglich den einen oder anderen Punkt abzuknüpfen. „Das wäre wichtig, um danach in Appelhülsen nicht doch noch mit Druck antreten zu müssen“, betont Herbstmann.

Hat vor dem Kasten den richtigen Riecher: Mit neun Saisontoren ist Alex Heiming (links) der beste Torschütze der SG Coesfeld 06 II.

Ein guter Start – genau das hatte den Coesfeldern bereits im Sommer massiv Aufwind gegeben. Mit Siegen über den im Sommer selbsternannten Aufstiegsaspiranten DJK Dülmen und bei Eintracht Ahaus II sowie einem 3:3-Remis gegen die eigene „Erste“ ist der Aufsteiger mehr als passabel in die Saison 2025/26 gekommen. „Dadurch ist das Selbstverständnis, dass wir in der Ligamithalten können, gewachsen. Das ist uns in der Abstiegssaison vor zwei Jahren nicht gelungen“, weiß Herbstmann um die Bedeutung des starken Auftakts.

Der Capitano: mit 1488 Minuten hat Kapitän Patrick Tumbrink (rechts) bisher die meisten Minuten unter den SG-Kickern gesammelt.

Allzu lange konnte die „Zweite“ den frühen Höhenflug allerdings nicht fortsetzen, stattdessen folgte zunächst ein tiefer Fall. „Unsere drei sang- und klanglosen Untergangsspiele“, schaut der Trainer nur ungern auf die Spieltage vier bis sechs zurück. Innerhalb von drei Wochen kamen die Coesfelder beim 2:7 in Darup, 0:6 gegen GW Nottuln Il und 0:7 bei SuS Legden mächtig unter die Räder. Also genau gegen die Gegner, die nun zum Auftakt auf dem Programm stehen. Die SG’ler sind also frühzeitig um Wiedergutmachung bemüht. „Außerdem geht es darum, als Mannschaft den nächsten Schritt zu gehen. Wir wollen zeigen, dass wir in solchen Spielen besser aussehen können“, ergänzt Herbstmann. Wenn dann zusätzlich etwas Zählbares im „wilden März“ herausspringt, umso besser. Dann müssen sich die Coesfelder wohl auch weiterhin nicht mit irgendwelchen Abstiegskampf-Szenarien herumschlagen.

Zahlen und Fakten zum bisherigen Saisonverlauf des A-Ligisten SG Coesfeld 06 II:

  • Bilanz: 17 Spiele, 20 Punkte, 32:53 Tore, Platz elf.
  • Bester Torschütze: Gleich zwei Kicker der SG-Zweiten tummeln sich unter den Top zehn Torschützen der Kreisliga A2. Bereits neun Treffer gesammelt hat Alex Heiming, im internen Ranking ist ihm Mohamad Diab mit acht Toren dicht auf den Fersen. Hinter dem Top-Duo folgen noch Lukas Höseler und Thomas Schulze Spüntrup mit jeweils vier Buden.
  • Der Dauerbrenner: Der Kapitän geht voran. Patrick Tumbrink hat mit 1488 Minuten die meiste Zeit bei der SG-Zweiten auf dem Platz gestanden. Hinter ihm folgt Thomas Schulze Spüntrup mit 1440 Minuten. „Wobei er mehr hätte, wenn er nicht ein Spiel bei unserer Ersten dabei gewesen wäre“, wie Trainer Morten Herbstmann betont.
  • Kader: Insgesamt 32 Spieler haben die Kreisstädter bisher aufs Feld beordert. Unter ihnen tummeln sich auch acht Kicker der ersten Mannschaft, die bei der Reserve aushalfen.
  • Torquote: 32 Tore hat der Aufsteiger in den ersten 17 Ligaspielen gesammelt. Das entspricht durchschnittlich 1,88 Treffern pro Partie – was einem Platz im Mittelfeld der A-Liga bedeutet.
  • Defensive: Die Abwehrreihe kommt zum Teil doch recht wackelig daher. Mit 53 Gegentoren stellt die SG Coesfeld 06 II die zweitschlechteste Defensive der Liga. Nur Schlusslicht Vorwärts Lette hat bisher mehr kassiert (60:). Im Durchschnitt klingelt es 3,11 Mal im Coesfelder Kasten.
  • Kartenspiele: Im Zweifelsfall können sie auch durchaus zulangen. 40 Gelbe Karten (davon eine füreinen Offiziellen) und zwei Rote Karten bedeuten Platz 14 in der Fairplay-Tabelle. Zum Vergleich: Als fairste Mannschaft weist Arminia Appelhülsen bisher nur 24 Gelbe Karten und eine Rote Karte vor.
  • Die Besonderheit: Nach einem mehr als ordentlichen Start mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen folgten drei Wochen des Grauens: Vom vierten bis zum sechsten Spieltag setzte es für die SG Coesfeld 06 Il nicht nur drei Pleiten in Serie, sondern auch unglaublich viele Gegentreffer. An ein 2:7 bei Borussia Darup schlossen sich ein 0:6 gegen GW Nottuln II und ein 0:7 gegen SuS Legden an. Die 20 Gegentreffer in drei Begegnungen sind maßgeblicher Anteil am schlechten Torverhältnisses des Aufsteigers, der sich aus dem September-Tief allerdings herausarbeiten konnte.

Quelle: Allgemeine Zeitung Coesfeld, Leon Eggemann
Fotos: Frank Wittenberg