Boschi Stippel ist seit mittlerweile 80 Jahren im Ehrenamt verankert
„Mit guten Mitstreitern schaffst du alles“
Vor 80 Jahren begann sein Einsatz für den Sport in Coesfeld. Zunächst als aktiver Kicker, anschließend in vielen Funktionen als Ehrenamtler – und das bis heute. Unser Redaktionsmitglied Frank Wittenberg sprach mit „Boschi“ Stippel dem 91-jährigen Urgestein des Lokalsports, über freudige Momente, Rückschläge und die nie endende Motivation, etwas zu bewegen.

Immer aktiv, von klein bis heute im Alter von 91 Jahren: Boschi Stippel ist aus dem Ehrenamt nicht wegzudenken.
Boschi, dass zunächst aktive Sportler anschließend ins Ehrenamt wechseln, kommt vor – aber über einen Zeitraum von acht Jahrzehnten?
Boschi Stippel: Weil mir die Sache einfach im Blut liegt. Durch meinen Beruf im Außendienst hatte ich sowieso immer viel mit Menschen zu tun. Ich glaube, selbst wenn ich mit mehr Talent als Fußballer gesegnet gewesen wäre und länger gespielt hatte, wäre ich irgendwann drangewesen.
Mehr Talent?
Stippel: Ich war nie der beste Fußballer, deshalb bin ich ziemlich schnell zum Betreuer und dann zum Obmann und Begleiter der ersten Mannschaft im Rasensport geworden. Meine Mannschaftskameraden hatten den Eindruck, dass ich da besser aufgehoben bin.
Wie kam es überhaupt zum Engagement im Verein?
Stippel: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im Herbst 1945 eine Versammlung zur Wiederbegründung des Rasensports unter der Leitung von Bernhard Roters bei Dachdecker August Kestermann im Keller. Da bin ich mit Jünke Terhorst hingegangen. Kurz darauf habe ich in der Schülermannschaft gespielt, meist halblinks oder halbrechts. 1952 bin ich aber schon Betreuer geworden.
… und später sogar Vorsitzender des Gesamtvereins.
Stippel: Ja, ab 1965 war ich stellvertretender Vorsitzender, ab 1986 für zehn Jahre Vorsitzender. In der Zeit haben wir die Mitgliederzahl auf über 3000 gesteigert. Aber das war nicht allein mein Verdienst, denn ich hatte immer ein tolles Team um mich herum, zum Beispiel Benno Fritzen oder Walter Fedder senior. Das war schon eine besondere Herausforderung, denn vorher waren es immer bekannte Coesfelder Namen, die beim Rasensport in der Verantwortung standen. Man musste schon einen breiten Buckel haben. Allerdings musste man auch bereit sein, Dinge aus der eigenen Tasche zu finanzieren. Ich bin oft beim Westdeutschen Fußballverband in Duisburg-Wedau, beim Kreis und der Stadt Coesfeld gewesen und musste da für unsere Interessen eintreten.
Wobei das ja nicht die einzige ehrenamtliche Funktion geblieben ist…
Stippel: Nein, das hat nie aufgehört. Wenn irgendwo Not am Mann war, bin ich gefragt worden. Ich bin abends nichtsahnend zur Versammlung ins Vereinslokal Ebbing gegangen und drei Stunden später war ich plötzlich Fußballobmann, und das für zwölf Jahre.
Ähnlich lief das später mit dem Vorsitz der Tennisabteilung. Gab es noch weitere Aufgaben über den Rasensport hinaus?
Stippel: Auch das. Von 1967 an war ich zum Beispiel Vorsitzender der Kreisspruchkammer Ahaus-Coesfeld und für kurze Zeit auch mit Bernhard Dröppelmann in Steinfurt. Als Obmann bin ich ohnehin immer zu den Spielen mitgefahren unc war dadurch überall bekannt. Das ist mir zum Verhängnis geworden. Letztlich habe ich 37 Jahre im Verband mitgearbeitet.
Schwierige Zeiten gab es sicherlich auch, oder?
Stippel: Die geplante Fusion mit dem ESV hat mich extrem beschäftigt. In der kleinen Gaststätte Hammer an der Lichtburg ist bei Ludger Wachsmann und mir die Idee geboren, die Kräfte in einem Verein Rasensportfreunde zu bündeln. Der ESV war damals durch die hohe Arbeitsbelastung für die Zukunft nicht mehr so gut aufgestellt. Deshalb wirkte eine starke Fußballabteilung als lohnendes Ziel.
Aber dafür mussten viele Hürden genommen werden.
Stippel: Wir haben sehr dafür gekämpft, aber im ersten Anlauf 1996 hat es leider nicht funktioniert. Das war sicherlich die härteste Zeit in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit, weil auch viele Etablierte gegen unsere Idee gekämpft haben. 2006 hat es doch mit der Fusion geklappt, dann sogar mit dem TuS.
Gab es mal Gedankenspiele, einfach alles hinzuwerfen?
Stippel: Ehrlich gesagt: nie!
Nackenschläge haben mich nie umgeworfen. Denn mit guten Mitstreitern schaffst du alles, und die hatte ich immer. Allen voran meine Frau Gisela. Sie hat die Schreibarbeit übernommen und war mir auch sonst eine riesige Stütze, die auch schon mal den Ärger abgefangen hat, besonders nach den Spruchkammer-Sitzungen. Ohne sie hätte ich das alles nicht leisten können.
Und ganz aus dem Ehrenamt verabschieden können Sie sich auch mit 91 Jahren noch nicht?
Stippel: Ich gehöre nach wie vor dem Ehrenrat der SG 06 an. Da war und ist mir zum Beispiel immer wichtig, die Tradition der Gedenkfeier am Volkstrauertag am vereinseigenen Ehrenmal fortzusetzen. Zuletzt lag mir das Archiv sehr am Herzen. Dafür habe ich zum Glück mit Jo Bensberg und Franz-Josef Seggewiß tolle Mitarbeiter gefunden.
Im Blick zurück auf 80 aktive Jahre: Würden Sie etwas anders machen?
Stippel: Nein. Ich bin einfach heilfroh, alles genauso gemacht zu haben. Es ist immer vorwärts gegangen, aber nie alleine. Deshalb kann ich mich insgesamt gesehen nur bedanken bei den vielen Menschen, die mich in der Arbeit so unterstützt haben.
Zu den ehrenamtlichen Tätigkeiten von Bernhard „Boschi“ Stippel zählen unter anderem:
- 1953 – 1965 Fußballobmann und Ausschussmitglied bei Raspo Coesfeld
- 1965 – 1977 stellv. Vorsitzender des Gesamtvereins (später weitere fünf Jahre)
- 1979 – 1989 Vorsitzender der Tennisabteilung
- 1972 – 1974 Vorsitzender Stadtsportring
- 1986 – 1996 Vorsitzender Gesamtvereins Raspo
- 1967 – 1977 Vorsitzender Kreisspruchkammer
- 1977 – 2004 Mitglied Kreisjugendspruchkammer
- 1984 – heute Ältesten und Ehrenratsmitglied Raspo/SG Coesfeld 06
- 1995 – heute Ehrenmitglied
- 2009 – heute Ehrenratsvorsitzender/ stellv. Vorsitzender
- aktive Mitarbeit für die Partnerschaften mit Losser/Niederlande, Wien-Schwechat/Österreich und ZSKA Moskau
Auszeichnungen:
- 1966 Silberne Verdienstnadel WEV
- 1981 Silberne Verdienstnadel FLVW
- 1986 Goldene Verdienstnadel FLVW
- 1991 DFB-Verdienstnadel
- 1983 Verleihung der Stadtplakette der Stadt Coesfeld für hervorragende Verdienste um das sportliche Leben
- 2022 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

Ein Raspo-Wimpel für ZSKA Moskau: Bernhard „Boschi“ Stippel (rechts) überreichte die Erinnerung im April 1991 vor Ort an die Funktionäre des großen russischen Sportvereins.
Quelle: Allgemeine Zeitung Coesfeld, Frank Wittenberg
Fotos: privat

