Fußball: Mohamad Diab verlässt die SG 06 und kehrt in seine Heimat Syrien zurück
Ein Teil des Herzens bleibt in Coesfeld

Nein, ein gewöhnlicher Abschied, bei dem ein Spieler einfach Wappen und Verein wechselt, ist das nicht. „Manche Reisen enden, bevor wir dafür bereit sind“, gibt Mohamad Diab Einblick in seine Gefühlswelt. Er tritt diese Reise in der nächsten Woche an – weg von der SG Coesfeld 06 II, freiwillig zurück in seine Heimat Syrien, die er im November 2022 verlassen hat. „Ich habe meine Familie seitdem nicht mehr gesehen“, sagt der 23-Jährige. Das will er ändern und tatkräftig beim Wiederaufbau in der Region Idlib anpacken.

Immer den Ball und das gegnerische Tor im Blick: Mohamad Diab (Mitte), hier im vereinsinternen Duell mit Luis Bollenberg (rechts), zählte zu den Stammkräften beim A-Ligisten SG Coesfeld 06 II.

Als Diab vor dem Krieg in seinem Land flüchtet, kommt er zunächst nach Bielefeld, ein Jahr später schließlich nach Billerbeck. In Syrien hat er schon Fußball gespielt, diese Gelegenheit bekommt er auch in seiner neuen Heimat – konkret bei der SG Coesfeld 06, wo bereits seit 2017 eine Integrationsmannschaft für geflüchtete Menschen aktiv ist. Unter Marwan Khalaf, der als Trainer die Verantwortung für das Team trägt, schnürt Mohamad Diab wieder die Fußballschuhe. Und er macht schnell auf sich aufmerksam. „Irgendwann kam der Hinweis, dass da ein Spieler ist, der eine echte Verstärkung für die höheren Mannschaften sein könnte“, erzählt Steffi Hinkenbrandt, die seit 2017 als Koordinatorin für den Stützpunkt Integration bei der SG 06 und als wertvolle Ansprechpartnerin im Alltag anpackt. „Steffi hat mir auf dem Weg sehr geholfen“, schwärmt Diab. „Sie hat mich behandelt wie eine Mutter.“

Folglich kommt „Mo“ zur zweiten Mannschaft und schlägt in jeder Hinsicht ein. Fußballerisch, aber auch als Mensch. „Überragend“, findet Trainer Morten Herbstmann den Einsatz seines Schützlings. „Die Jungs haben ihn super aufgenommen, aber er selbst hat auch von Beginn an alles aufgesaugt“, spricht er von einem Beispiel für eine gelungene Integration. Am Ehrgeiz seines Offensivspielers scheitert es ohnehin nicht, der bisweilen mit dem Zug oder dem Fahrrad aus Billerbeck anreist, um vor seiner Nachtschicht beim Bio-Großhändler Weiling in Coesfeld noch zu trainieren.

Großer Bahnhof beim Abschied: Das vereinsinterne Turnier der SG 06 bot den passenden Rahmen für den Dank an Mohamad Diab (Mitte im weißen Trikot). Fußballabteilungsleiter Bernd Herick-Vestrick (rechts neben Diab) würdigte den Einsatz des Syrers und dankte auch der Integrationsbeauftragten Steffi Hinkenbrandt (links neben Diab).

Der technisch beschlagene Kicker, den SG-Abteilungsleiter Bernd Herick-Vestring als „tollen Botschafter seines Landes“ bezeichnet, leistet seinen Beitrag zum Aufschwung bei der SG 06 II. Zehn Tore schießt er in der Aufstiegssaison 2024/25, auf acht kommt er bereits nach der aktuellen Hinserie in der Kreisliga A. Weitere werden allerdings nicht dazukommen. „Das sind tolle Jungs und tolle Trainer“, lächelt Diab mit Blick auf seine Mannschaft. „Ich werde sie sehr vermissen.“ Und doch ist die Zeit reif für die Rückkehr nach Syrien – zurück zu seinen Eltern, zu den zwei Schwestern und zwei Brüdern. „Nicht in der Heimat zu sein, ist sehr schwer“, weiß er nach über drei Jahren Trennung. In der nächsten Woche geht es für ihn zunächst nach Köln, dann mit dem Flieger nach Damaskus.

In Idlib, wo die Sicherheitslage sich mittlerweile verbessert habe, will er beim Wiederaufbau anpacken. Als gelernter Baggerfahrer kann er wertvolle Hilfe leisten. „Und Fußball spielen möchte ich möglichst auch weiter“, erklärt Mohamad Diab. Denn wie wichtig sich dieser Mannschaftssport für ihn anfühlte in der Fremde, die schnell keine Fremde mehr war, wird er nie vergessen: „Dieses Team war für mich nicht nur ein Trikot, sondern Familie, Erinnerungen, Lachen und Herausforderungen, die mich zu einem besseren Menschen und Spieler gemacht haben.“ 7 Die Integrationsmannschaft für Fußballer aus allen Ländern trainiert unter der Leitung von Marwan Khalaf jeweils mittwochs von 18.15 bis 20 Uhr in der Sporthalle der Maria-Frieden-Grundschule und sonntags von 18 bis 20 Uhr im Volksbank-Sportpark Nord an der Osterwicker Straße.

Quelle: Allgemeine Zeitung Coesfeld, Frank Wittenberg